“Steeh! nach der Schnapsmethode”
Whisky hat das Steh wie auch Sitz und Platz bereits als Baby gelernt. Da er neben VPG auch Obedience machen sollte, musste er eigentlich drei Variationen des “Steh” lernen, die dem Hund auch alle getrennt gelehrt werden müssen, denn nur weil er eine Variante kennt, kann er noch lange nicht die anderen ausführen. Die Varianten sind
- Steh im Sinne von “Anhalten aus der Bewegung” wie in VPG gewünscht
- Steh im Sinne von “Aufstehen aus dem Sitz” (nicht VPG-relevant)
- Steh im Sinne von “Aufstehen aus dem Platz” (nicht VPG-relevant)
Da mir eine kluge Ausbilderin mal erklärt hat, dass es immer besser ist, dem Hund etwas beizubringen, wo er AKTIV etwas tun muss, da ihm dann die Ausführung und das Endresultat klarer sind, habe ich mich statt des passiven Stehenbleibens für die aktive Variante “Aufstehen aus dem Sitz” entschieden und diese zuerst gelehrt. Das Endresultat ist bei allen Varianten das gleiche, der Hund steht und hält diese Position bis zur Freigabe oder bis zu einem neuen Hörzeichen. Wenn eine Variante sitzt, muss man zwar die anderen Varianten auch noch lehren, das fällt aber in der Regel dann ziemlich leicht.
Meine Lehrweise für das Aufstehen aus dem Sitz:
Der Hund wird zwischen zwei Begrenzungen gestellt z.B. Hürden, Stühle, um ein seitliches Ausweichen zu verhindern. Der Hundeführer steht vor dem Hund, der Hund sitzt. Innerhalb von Zehntelsekunden kommt vom Hundeführer das Hörzeichen, das dazugehörige Handzeichen (für Obedience) und man geht auf den Hund zu und berührt ihn gegebenenfalls LEICHT mit dem Knie an der Brust. Die allermeisten Hunde werden rückwärts ausweichen und dazu aufstehen. Im Moment des Aufstehens kommt der Click bzw. das Belohnungswort und die Belohnung, der Hund ist frei und kann machen was er will, ich verhinder mit meiner Belohnung nur eine deutliche Tendenz nach vorne und ein Hinsetzen, im Optimalfall schiebt man dem Hund also ein Leckerli rein, solange er noch steht. Die Rückwärtstendenz ist später hilfreich für die Distanzkontrolle im Obedience, da Whisky dort mit feststehenden Vorderbeinen arbeiten soll, aber auch für die VPG, denn eine Rückwärtstendenz widerspricht einem nachgehen, kann also nie schaden. Außerdem wird bei dieser Übung dem Hund seine eigene Hinterhand bewusst, das hilft bei der Ausarbeitung eines geraden Fuss gehens und natürlich den Linkswendungen. Man sollte hier jedoch schon verhindern, dass der Hund mehrere Schritte rückwärts macht, schließlich ist das Steh eine statische Übung.
Sobald der Hund mit meinen Hilfen zuverlässig aufsteht und vielleicht sogar schon etwas stehen bleibt, verlasse ich die Hindernisse, die bis dahin eine seitliche Begrenzung waren, da sie mich beim Belohnen behindern könnten und ich außerdem ja möchte, dass der Hund auch mal Fehler macht, damit er selber merkt, was richtig ist und was falsch. Seitliches Abweichen wird also mit einem Nein, keine Belohnung, kurze Pause, neuer Versuch beantwortet, korrekte Ausführung mit Click, geworfenes Spielzeug hinter den Hund (Achtung, nicht immer zu einer Seite) belohnt. In dieser Zeit wird auch die deutliche Hilfe des auf den Hund zugehens wieder abgebaut, der Hund soll schließlich auf STEH und Handzeichen (in dieser Reihenfolge weiterhin gegeben) aufstehen und stehenbleiben.
Klappt auch das zuverlässig dehne ich zunächst die Zeit des Stehens aus, bis der Click kommt. Habe ich das geschafft, bekommt der Hund eine sichtbare Linie vor die Vorderfüße und ich fange an, die Entfernung auszubauen. Zunächst kommt HZ und SZ weiterhin direkt vor dem Hund und wenn er steht, gehe ich etwas rückwärts weg, später wird der Hund sitzengelassen und HZ und SZ kommt aus Entfernung. Hierbei fahre ich die Dauer des Stehens wieder komplett zurück auf Null und baue die Dauer erst wieder ein, wenn die Übung auf Entfernung klappt. Dann sind wir fertig mit dem Steh als “Aufstehen aus dem Sitz” und können uns den wichtigen Dingen zuwenden. Dem Steh als Anhalten aus der Bewegung.
Dazu nehme ich wieder meine sichtbare Linie, eine Leine oder ein Brett, was der Hund schon aus der vorherigen Übung kennt. Dort machen ich ein, zwei mal das Aufstehen aus dem Sitz und dann nehme ich den Hund mit, einige Schritte hinter die Linie, GS, Hund loben und hier erzähle ich ihm schon, dass wir gleich STEH machen werden. Dieses Ritual behalte ich sein Leben lang bei! Der Hund bekommt beim Loben vor dem Beginn der nächsten Positionsübung immer gesagt, was als nächstes kommt. Sitz, Platz oder Steh. Schließlich soll er schnell und korrekt die nächste Position ausführen, da ist es nur fair, ihm zu sagen, was kommt. Ich gebe diese Hilfe auch, wenn ich die Entwicklung übe und statt der Position bestätige.
OK, wir sitzen also in der GS, haben dem Hund erzählt, dass wir Steh machen wollen und gehen unsere Entwicklung los. Direkt vor der Linie kommt dann ein Steh, wir drehen uns blitzschnell vor den Hund und geben unser Handzeichen dazu, wenns klappt, Click, Belohnung, schluss, morgen neu.
Von diesem Zeitpunkt an, ist es hilfreich, eine zweite Person mit dem Clicker zu bestücken und mit der Aufgabe zu betrauen, entweder eine korrekte Freifolge in der Entwicklung oder eben die Einnahme der Position zu clicken. Tendenziell gebe ich das Positionshörzeichen erst nach etwa 20 Schritten Entwicklung, damit der Hund selbst auf Prüfungen, wenn er vielleicht anfängt, dem Hörzeichen vorzugreifen, in der Entwicklung die 15 Schritte durchhält. Die korrekte Entwicklung sollte außerdem mindesten so oft abgeclickt werden wie die Position.
Nun kommt es auf das Timing der Hilfsperson an. Ich versuche nun, die massive Körperhilfe abzubauen und gebe also wie bisher das Hörzeichen, drehe mich aber nicht vor den Hund. Normalerweise müsste der Hund das Hörzeichen annehmen und stehen bleiben. In dem Moment kommt der Click, bevor der Hund sich überlegt, dass irgendwas anders ist, weil die Körperhilfe fehlt. Dann baue ich das ganze, wie oben schon beschrieben, aus. Erst die Dauer, dabei gehe ich nur ein bis zwei Schritte, bevor ich mich umdrehe, dann, wenn das sitzt, fahr ich die Dauer zurück und steigere die Entfernung. Wenn das gut geht, bau ich beides zusammen.
Um eine Tendenz zu mir nach vorne zu vermeiden, arbeite ich mit externer Bestätigung, das heißt, die Beute liegt offen auf dem Platz oder ist offensichtlich bei dem Menschen der clickt. Der Click ist die Freigabe, sich die Beute zu holen. Man muss darauf achten, dass die Beute nicht immer an der gleichen Seite liegt, um ein schräg stellen des Hundes zu vermeiden. Wenn die Übung eigentlich sitzt, muss ich die letzte Hilfe wieder rausnehmen, nämlich meine Linie auf dem Boden, was aber kein Problem darstellen sollte. Diese Linie hol ich später noch mal raus, wenn ich das Steh aus dem Laufschritt die ersten Male übe, getreu dem Motto, wenn ich etwas in einer Hinsicht für den Hund schwerer mache, fahre ich die anderen Bedingungen zurück.
Dem Hundeführer und der Hilfsperson muss klar sein, dass nur eine absolut korrekte Arbeit belohnt werden kann. Der Hund ist, wenn er so aufgebaut wurde, in der Lage ein korrektes, zügiges, andauerndes Seh zu zeigen. Es besteht keinerlei Veranlassung, eine langsame Ausführung oder das Nachziehen eines Beines zu tolerieren. In dem Moment, wo der Hund einen Fehler macht, wird abgebrochen durch die neutral gesprochene Information “Nein”. Der Hundeführer geht im Bogen um den Hund zurück zur Ausgangsposition, um das Bild des “Abholens” zu vermeiden und nimmt den Hund, wenn er hinter ihm ist, mit, indem er ihn heranruft. Man kann dabei auch leise in sich reinmotzen, einige Hunde reagieren da ziemlich sensibel, und dann startet man einen neuen Versuch. Die Stimmung sollte deutlich kippen, der Tenor ist nicht bestrafend sondern eher im Sinn von “Mensch, was machst Du denn, das war ja wohl nichts…” und genauso kippt die Stimmung wieder ins Positive, sobald man an der Ausgangsposition angekommen ist und in der Grundstellung den neuen Versuch vorbereitet.
Fehler zu machen ist nicht negativ! Fehler geben dem Hund auch nötige Informationen, um abzugrenzen, was erwünscht ist und was nicht. Allerdings müssen Hundeführer und auch Hilfsperson bei jedem Fehler kritisch hinterfragen, ob man vielleicht zu schnell vorgegangen ist, diesen Fehler in vorangegangenen Übungsschritten toleriert hat oder ob das Training von anderen Übungen diesen Fehler provoziert. Ich würde zum Beispiel nicht zur gleichen Zeit an verschiedenen Positionen arbeiten. Erst wenn Sitz, Platz und Steh als Übungen fertig sind, fange ich an, sie gleichzeitig zu trainieren.
Ansonsten gilt bei Fehlern die Faustregel, einmal falsch kann passieren, zweimal (auf die gleiche Weise) falsch ist ein Trend und bei dreimal auf die gleiche Weise falsch, hat man ein Problem. Also sollte man spätestens nach der zweiten falschen Ausführung einen Schritt zurückgehen und Hilfen kurzfristig wieder einbauen, um eine korrekte Ausführung zu erreichen.